Kreditanalyse
Der
allgemeine Anschein wird erweckt, dass sich Kreditkonditionen nach der
Bonität und den bereitgestellten Sicherheiten
richten. Dies trifft auch auch bei Kreditgeschäften meistens zu.
Beim näheren betrachten eines geplanten oder bestehehenden
Kreditgeschäftes, ergeben sich sich jedoch auch noch andere
Ankaltspunkte und Spielräume.
Bonität
Die
Bonität lässt sich kurzgefasst mit der Einschätzung der
Bank
umschreiben, ob der Kunde in der Lage ist seinen Kredit zukünftig
nachhaltig zurückzuzahlen. Ist sie ausreichend, so wird ein Kredit
gewährt, andernfalls nicht. Kommen Risiken hinzu (z.B. Alter,
Geschäftsrisiko, etc.) ist mit Zinsaufschlägen zu rechnen.
Hinzuweisen auf Basel II - Ratingverfahren.
- Ältere
Kreditnehmer ab 60 Jahren erhalten oft
keinen Kredit mehr, obwohl ihre Bonität sonst gut ist und die
Vermögensverhältnisse geordnet sind.
- Freiberufler müssen bei gleichem
Risiko i.d.R.
ab 0,10% bis... mehr bezahlen als Festangestellte.
- Selbständige trifft es noch ein
wenig
härter. Hier beträgt der Aufschlag ab 0,20% bis..
- Klein -und mittelständische
Unternehmen,
emissionierte und nichtemissionierte Unternehmen unterliegen anderen
Kriterien und Prüfungsverfähren, einbindend diverse
Ratingverfahren.
Sicherheiten
Immobilien
stehen hier hoch im Kurs. Doch aufgepaßt beim Ansatz des Beleihungswerts.
- Günstige
Konditionen gelten meist nur für
die ersten 40 bis 60% des
Beleihungswerts, dann wird das Darlehen für den Restbetrag
deutlich
teurer (ca. 0,50%)
- Achten Sie möglichst auf einen
Beleihungswert
von 80%. (Bei
gewerblichen Immobilien werden meist nur 60% akzeptiert und ein
Zinsaufschlag von 0,6 bis 0,75% berechnet.)
- Nutzen Sie Ihre Immobilie selbst, so
wird die
Kondition günstiger.
- Bei vermieteten Objekten ist meist ein
Aufschlag von
0,10% üblich.
- Eigentumswohnungen oder Wohnungen mit
unter 50m² werden ggf. gar
nicht
erst finanziert.
Tilgungsverhalten
Die
meisten Banken refinanzieren ihre Kredite über den Kapitalmarkt.
D.h. sie müssen selbst einen Kredit aufnehmen, um diesen an ihre
Kunden
weiterzuleiten. Je nach Laufzeit und Vertragsgestaltung muss die Bank
folgenden Preis auf dem Geldmarkt bezahlen:
- Täglich
fällige Forderungen = Basiszinssatz
- Forderungen mit fester Laufzeit von 1
bis 12 Monaten
= Libor/Euribor-Zinssatz
- Laufzeiten bis 5 Jahre werden i.d.R.
über
Anleihen refinanziert
- Laufzeiten bis 10 Jahre werden i.d.R.
über
Hypothekarbanken refinanziert
Die Bank
selbst nimmt bei fairer Konditionsgestaltung einen Aufschlag von ab ca.
1% auf die genannten Zinssätze.
- Wird keine
feste Jahresrate (Annuität)
vereinbart, so rechnen einige Banken einen Aufschlag von 0,30% ein.
- Wünschen Sie das Recht auf
Sondertilgung, so ist
auch hier ein Aufschlag fällig.
- Werden Gutachten benötigt und
nicht in Rechnung
gestellt, folgt meist ein entsprechender Zinsaufschlag.
- Wer sein Darlehen in der 1.
Zinsbindung
vollständig tilgt kann einen Abschlag von 0,15% aushandeln.
- Zinsabschläge sind ab
Beträgen von 100.000
Euro üblich. (quasi Mengenrabatt)
- Ebenso gibt es Nachlässe, wenn
der
Anfangstilgungssatz über 1% liegt.
- Die Einmalauszahlung eines Darlehens
wird ebenfalls
honoriert, statt Abrufzahlungen.
Begleiterscheinungen
Cross-Selling
und Vertriebsvorgaben belasten meist die
Kreditverhandlung, da der Bankberater meist angewiesen ist, seine
Umsatzvorgaben zu erfüllen. Deshalb sollten Sie Banktermine zum
Monats-
oder Quartalsende vermeiden. Sonst kommt es schon einmal vor, dass
Ihnen als Unternehmer ein Riester-Vertrag aufgeschwatzt wird, der
für
Sie ggf. nur mit zweifelhaften Vorteilen belegt ist. Aus meiner Praxis
heraus ist mit folgenden Punkten zu rechnen, die Sie möglichst
abwehren
sollten:
- Ansatz von
MwSt. auf die Zinszahlungen
- Kreditausfall- bzw.
Restschuldversicherungen bei
ausreichender Besicherung
- Kreditzusagen in Verbindung mit dem
Abschluss einer
Kapitallebensversicherung
- Kreditzusagen in Verbindung mit dem
Abschluss von
Bausparverträgen
- Schufaauskunft ohne Vermerk "Anfrage
Kreditkonditionen"
(Fahrlässiger Weise wird hier von den Banken oft "Anfrage Kredit"
angegeben, obwohl nur eine Konditonsanfrage vorliegt. Dieses führt
zu
einer Verschlechterung Ihres Schufa-Ratings!)
- Unangemessene Abwertung Ihrer
Sicherheiten (ggf.
aktuelles Wertgutachten einbringen)
Fazit
Wer
nicht
aufpasst und seinen Kreditwunsch ungeschickt verpackt
zahlt im Schnitt 0,60% drauf. Dies hört sich nach wenig an,
führt aber
z.B. bei einer Kreditsumme von 100.000 Euro und einer Laufzeit von 10
Jahren schnell zu einer um 7.000 Euro höheren Restschuld!
Optimierung
Folgende
Vorbereitungsmaßnahmen für Ihr Darlehens- bzw
Kreditgeschäft, unter ggf. Mithilfe eines Experten bieten sich an:
- Klären Sie
vor dem Bankgespräch Ihren
wirklichen Kreditbedarf unter Berücksichtigung des
zukünftigen Zahlungsstroms.
- Planen Sie doppelt - einmal
steueroptimiert und
einmal kostenoptimiert - und entscheiden Sie sich dann für das
günstigere Modell
- Hatten Sie bereits Darlehen in der
Vergangenheit
abgeschlossen, ist
ggf. eine Selbstauskunft bei der Schufa sinnvoll. Eintragungsfehler
können so vor der Kreditbeantragung ausgeräumt werden.
- Holen Sie mehrere Konditionsangebote
ein, da die
meisten Banken mit
unterschiedlichen Scoring-Modellen arbeiten und sich diese direkt auf
Ihre Kondition auswirkt. Bestehen Sie bei der Angebotsanfrage darauf,
dass keine Schufa-Auskunft für die Kreditanfrage eingeholt wird.
Andernfalls leidet Ihre Bonität, da mehrere Anfragen als
Negativmerkmal
bei der Schufa gespeichert werden.
- Setzen Sie Ihre Sicherheiten sinnvoll
ein.
- Lassen Sie sich jeweils die Restschuld
nach Ablauf
der
Zinsbindungsfrist ausrechnen, dann lassen sich die Darlehensangebote
besser vergleichen.
- Fragen Sie gezielt nach
Möglichkeiten einer
Konditionsverbesserung
Hinweis: Lassen Sie sog. Kredit -oder
Finanzvermittler aussen vor.
Zur
Erlangung einer günstigen Kondition ist somit neben dem Wissen
um die Zusammenhänge der Konditionsgestaltung auch ein
hinreichendes
Verhandlungsgeschick mit entsprechender Kommunikat- ionspolitik
notwendig.
Eine Finanzstrategie für Ihren
Bankenerfolg erarbeiten wir gerne für Sie.